Nachdem alle Lebkuchen verputzt sind, lehnt sich Dominik zurück und streicht sich über den Bauch. "Meine Güte, jetzt bin ich aber satt."

Paul und Samuel tun es ihm gleich. "Die waren echt lecker."

Da wird Anton auf einmal sehr nachdenklich. "Hm ... so verrückt das auch klingt aber ... das erinnert mich an Nepal."

"An Nepal?" fragt Sarah überrascht.

"Ja. Wisst ihr, seit zwei Jahren stehe ich mit einem Mann in Kontakt, der in Nepal lebt. Er heißt Deepak und ist dort so eine Art Pfarrer, Missionar und Organisator für Hilfsprojekte. Durch eine Online-Fachtagung im letzten Jahr hörte ich von den miserablen Umständen der Menschen dort in Nepal. Besonders im Bergland, wo es praktisch keine Industrie und oftmals keinen Strom und nicht einmal eine gesicherte Wasserversorgung gibt, hat es die Menschen besonders hart getroffen."

Samuel überlegt. "Gibt es in Nepal nicht auch so ein Kastensystem, wie im Nachbarland Indien?"

Anton nickt. "Das ist richtig. Das Problem ist, dass vor allem Christen bestenfalls der niedrigsten oder gar keiner Kaste angehören. Dadurch bleibt ihnen eine gute Versorgung von Lebensmitteln oder Medizin oft verwehrt."

"Das ist ja gemein", murmelt Paul. "Nur weil sie eine andere Lebensphilosophie haben, werden sie ausgeschlossen?"

"Ja, leider ist das so. In Indien ist das sogar noch viel stärker ausgeprägt. Aber zurück nach Nepal. Ich sprach ja vorhin von Deepak. Vor einem Jahr hatte er mitgeteilt, dass die Zustände dort sich massiv verschlimmert hatten.  Es gab praktisch kein Essen mehr. Tiere waren längst notgeschlachtet, Getreide oder Reis war natürlich nur gegen Geld zu bekommen. Da die Menschen dort allerdings kaum eine Möglichkeit hatten, arbeiten zu gehen - ihr wisst ja was die Welt seit fast zwei Jahren beschäftigt - wurde es wirklich dramatisch. Ihre einzige Möglichkeit, zu überleben, bestand darin, früh morgens in den Wald zu gehen und essbare Wurzeln und Kräuter zu finden."

Sarah riss die Augen auf. "Das meinst du nicht ernst!?"

Anton seufzte. "Ich wünschte, es wäre anders. Neben einigen anderen, unterstützen meine Frau und ich nun schon seit über einem Jahr die Menschen dort im Bergland von Nepal. So konnten wir bereits mehrere Brunnen bauen lassen und mehrere Familien mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Das heißt dort in der Regel etwas Öl und ein Sack Reis, der eine ganze Weile reichen muss. Alles was noch dazukommt, sind Extras, die nur selten möglich sind."

Sarah, Paul, Dominik und Samuel hören betroffen zu.

"Meine Freunde, ich will euch damit nicht frustrieren. Und natürlich dürft ihr weiterhin gern Lebkuchen und Plätzchen essen. Mir ist nur wichtig, dass ihr zwei Dinge nicht vergesst. Zum Einen sollten wir die gute Versorgung, die wir in unserem Land genießen, nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir können Gott dankbar sein, für all das Gute, das er uns schenkt. Auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, auch an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht."

"Besser gesagt - richtig beschissen geht!" warf Dominik ein.

"Genau. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir für sie beten. Denn neben der Versorgung sollen sie auch die frohe Botschaft von Jesus Christus hören und erleben dürfen. Daneben ist es natürlich auch nützlich zu spenden. Es gibt an vielen Orten auf der Welt Not und Leid. Insofern ist es gut, dass es viele verschiedene Hilfsorganisationen gibt. Mir persönlich ging die Sache mit Nepal nur ziemlich ans Herz weil ich diesmal persönlich mit einem Verantwortlichen vor Ort sprechen konnte und somit das Leid und die Not der Menschen mitgeteilt bekam."

"Dann wäre es sicher eine gute Idee", murmelt Samuel, "wenn wir ab sofort öfters an die Menschen denken, die nicht so viel haben, wie wir. Hier und da kann man vielleicht sogar ganz praktisch etwas für sie tun."

Anton steht auf und öffnet ein Schubfach. Dann kommt er zurück und zeigt ein Foto. "Hier, damit ihr mal seht, von wem ich spreche, habe ich mal ein Foto. Dieses Bild wurde vor einer Kirche gemacht. Das ist eine der besseren Blechhütten, die gebaut wurde, nachdem das letzte Unwetter alles weggespült hatte.

nepal

Verwendung des Bild mit freundlicher Genehmigung von Deepak Tamang.


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